Ein Kreuzweg... - Glauben
gebetet am Karfreitag 2015

Kreuzweg, 6.00 Uhr Karfreitag 2015

Station 1: in der Kirche St. Peter und Paul

Kreuzweg.

Sich einer Wirklichkeit aussetzen,

die wir nicht im Griff haben und nicht verstehen.

Nicht fromm betrachten oder meditieren.

Den eigenen Grenzen nachspüren. Fragen offen lassen.

Esther Maria Magnis schreibt in ihrem Buch:  Gott braucht dich nicht'

Gott ist schrecklich.

So schön er auch ist — so unendlich tief seine Liebe

und Zuneigung zu den Menschen sein mag.

Ich erschrecke vor Gott.

Und die Schrecken aus der Zeit damals lassen mich in

meinen Gebeten immer noch humpeln.

Und es ist eine Lüge, die in manchen Kirchengemeinden

verbreitet wird, wenn sie sagen:

Wir haben keine Drohbotschaft, wir haben eine

Frohbotschaft.

Es ist nicht wahr. Es ist einfach nicht wahr.

Gott hat sich in dieser Welt am Kreuz hinrichten lassen.

Das gehört zu den dreckigsten Todesarten, die es gibt.

Und Gott hat zugelassen, dass mein Bruder sich zu

Tode erschrak.

Und Gott hat gesagt, dass jeder sein Kreuz in dieser

Welt auf sich nehmen und ihm nachfolgen soll.

Es war nie die Rede davon, dass es hier witzig wird.

Es war nie die Rede davon, dass uns allen die Sonne

aus dem Arsch scheint.

Unser Glaube, der Glaube der Christen, hat einen

Schrecken.

Unser Glaube hat in sich das Wissen um den ganzen

Dreck der Welt.

Er hat einen Schrecken.

So wie diese Welt.

Und erst dann kommt die Frohe Botschaft.

Vorher gibt es keinen Grund,

dumm grinsend auf der Kanzel zu stehen und die

Menschen, die echte Not haben, deren Ehen gerade

kaputtgehen, deren Kinder krank werden, deren

Geschwister sterben und Eltern dement werden,

deren Herzen gebrochen werden, deren Stolz verletzt

wird, mit einem weichen gemütlichen Gesäusel und

Sozialkitsch einzulullen.

Gott ist schrecklich.

Gott brüllt.

Gott schweigt.

Gott scheint abwesend.

Und Gott liebt in einer Radikalität,

vor der man sich fürchten kann.

Beten wir diesen Kreuzweg mit Hilfe eines Einzelschicksals:

Dem Flüchtling Samira und ihre Kinder.

Warum uns dieses Kreuzweg-Thema wichtig ist:

Seit dem 2. Weltkrieg die höchste Anzahl von Flüchtlingen.

Wunden, die nie weg gehen. Vgl. Ostpreussen - Afghanistan (Traumata bleiben)

'Schmeiß doch das Baby in die Ostsee, es überlebt sowieso nicht...'

Pro Asyl: Europa schützt seine Grenzen, aber nicht die Menschen! 'Bollwek Europa…'

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen

Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu

machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt

werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht

zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe

oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht,

schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit

unsere Kinder undKindeskinder einst stolz den Namen

Mensch tragen. Amen.

Einführung

Samira war 31 Jahre alt und wuchs in Aleppo auf. Dort

lebte sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern - Yahya

war 8 Jahre alt und Rebecca 6. Ihr Mann war Anwalt und

sie arbeitete als Ärztin.

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien

verschlechterte sich ihre Lebenssituation zusehends.

Gewehrschüsse, Bombenexplosionen, der Kampflärm,

der Krieg zehrten an den Nerven. Aber die Familie war

beisammen und alle halfen sich gegenseitig.

Strom und Wasser gab es nur ein paar Mal in der

Woche. Das musste schnell ausgenutzt werden - für die

Hausarbeit, zum Kochen, Waschen und für die

persönliche Hygiene.

Sie gehörten zur christlichen Minderheit.

Station 2:

Jesus wird zum Tode verurteilt 

Samira lebte in ständiger Angst - um ihren Mann, ihre

Kinder. Jedes Mal, wenn sie das Haus verließ, riskierte

sie den Tod durch Erschießen.

Samiras Mann Hakan drängte darauf, Aleppo zu

verlassen, weil die Familie Drohbriefe bekam. Sie sollten

zum Islam konvertieren oder die Stadt verlassen. Eines

Tages kam Hakan nicht mehr aus der Kanzlei nach

Hause. Samira wartete auf ihn, befürchtete das

Schlimmste. Dann geschieht das Unfassbare: In einem

Sack wurde sein Leichnam der Familie nach Hause

geschickt, grausam zugerichtet.

Sie flüchtete mit den Kindern zu einem von Hakans

Onkeln in ein Dorf südlich von Homs. Zunächst ging es

ihnen dort besser, die Kinder lebten auf. Doch dann kam

die Nacht, als das Haus von militanten Anhängern der

Gruppe IS ( für Islamischer Staat) mit einem arabischen

«N« für Nasrani, also "Nachfolger des Nazareners"

gekennzeichnet wurde. Es wird vom IS genutzt um

Eigentum von Christen zu kennzeichnen und zur

Plünderung freizugeben.

Jesus und Samira:

Da stehen sie vor ihren Anklägern.

Spottfiguren, nichts wert.

Aller Ehre beraubt.

Ohne Ansehen. Gekennzeichnet.

Sie schauen uns an…

Gott, wir bitten dich:

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Station 3: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern 

Der Onkel verkaufte sein Haus für einen Bruchteil des

eigentlichen Wertes. Das Geld bekamen die Schleuser.

Alles musste heimlich passieren, nicht auf dem

offiziellen Markt. Hauptsache weg!

Sie waren nachts bei einem Schleuser, gaben ihm das

Geld und er sagte, wann er mit dem Wagen kommt,

dass er dann hupt und dass sie dann aus dem Haus

kommen sollten. Die bange Frage, ob er wirklich kommt,

trieb sie um. Spät nachts war es dann so weit. Nur mit

den Dingen, die sie am Körper tragen konnten, verließen

sie das Haus.

Die kleine Rebecca hielt ihr Kuscheltier, einen kleinen

grauen Esel namens Luke an sich gepresst. Er hatte sie

seit ihrer Geburt begleitet, noch keine einzige Nacht

hatte sie ohne ihn verbracht. Er musste mit.

Samira und ihre Familie waren auf der Flucht - ohne

Papiere, ohne Geld, dem Schleuser ausgeliefert.

Die Schleuser trieben sie in langen Fußmärschen

vorwärts. Wer zu langsam war, wurde mit Stöcken

geschlagen, wer keine Kraft mehr hatte, blieb zurück.

Jesus und Samira:

Ihnen wird das Kreuz auf die Schulter gezwungen.

Ein Weg der Schmerzen. Sie tragen das Leid.

Gott, wir bitten dich:

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Station 4: Jesus fällt unterm Kreuz 

Einmal stürzte der Onkel und war nicht fähig

aufzustehen. Ein Schleuser sagte zu Samira: «Wenn du

ihm helfen willst, dann bleibst du mit deinen Kindern

eben auch zurück.« Schweren Herzens und weinend

ließ sie den Onkel zurück.

Ihr achtjähriger Sohn Yahya hatte seine Schuhe

verloren, seine Fü.e bluteten und er konnte kaum noch

laufen.-

Rebecca war, seitdem sie ihren Esel Luke an einem

Kontrollposten abgeben musste - es hätte ja etwas

Wertvolles darin sein können - nahezu apathisch und

verweigerte jegliche Nahrungsaufnahme. Da es sehr

heiß war, versuchte Samira sie zum Trinken zu

bewegen. Ein fast aussichtsloses Vorhaben.

Die große Hitze, der quälende Durst, der Hunger, die

Angst vor Entdeckung…

Gebet:

Am Boden liegen. Im Dreck. Kein Gesicht mehr

haben. Von der Last in die Knie gezwungen. Wieder

aufstehen müssen. Gott, wir bitten dich:

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Station 5: Simon von Cyrene hilt Jesus das Kreuz zu

tragen. / Jesus begegnet seiner Mutter und Veronika.

Auf ihrem langen Marsch kamen sie manchmal durch

kleine Dörfer. Das Misstrauen auf beiden Seiten war

groß.

In einem kleinen Dorf in der Türkei trafen sie jedoch

einmal eine alte Frau, die Samira an die eigene

Großmutter erinnerte. Diese Frau lächelte ihr und ihren

Kindern freundlich zu und winkte sie zu sich heran. Sie

schenkte ihnen ein paar Weintrauben und streichelte

den Kindern mitfühlend über die Köpfe. Dabei murmelte

sie freundlich klingende Worte, die Samira aber nicht

verstehen konnte.

Als es Yahya einmal ganz besonders schlecht ging und

seine Fü.e nur noch aus offenen Wunden bestanden,

erbarmte sich einer der Schleuser und trug das Kind

eine Zeit lang.

Gebet

Begegnungen im Leid. Einer trage des anderen Last.

Gott, wir bitten dich:

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Station 6: Jesus wird ans Kreuz genagelt 

Mit vielen anderen Flüchtlingen stehen sie nach

Wochen irgendwo an der türkischen Küste. Vor ihnen lag

ein rostiger Kahn, die «Blue Sky M«. Die Schleuser

trieben sie an Bord. Dort wurden sie im stinkenden

Schiffsbauch wie Vieh zusammengepfercht. Sie lagen

auf dem nackten Fussboden. Wasser oder gar

Verpflegung gab es keine. Die hygienischen Zustände

an Bord waren unbeschreiblich. Nur die Aussicht auf

baldige Ende ihrer Odyssee hielt Samira aufrecht.

Ein Sturm zog herauf. Das Schiff war leck. Wasser drang

in den Schiffsbauch ein, Panik kam auf.

Entgegen der ausdrücklichen Anweisung der Schleuser

drängten die Flüchtlinge an Deck und dabei stellten sie

fest, dass die Schleuser das Schiff verlassen hatten und

es bei rauer See führerlos im Mittelmeer trieb.

Gebet:

Ausweglos. Ausgeliefert. Festgenagelt. Hände, die allein

lassen, die schlagen, die foltern, die töten. Gott, wir

bitten dich:

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Station 7: Jesus stirbt am Kreuz 

Eine Patrouille der italienischen Küstenwache sichtete

das führerlose Schiff, das sich auf lebensgefährlichem

Kollisionskurs mit der felsigen Küste befand. Der hohe

Wellengang machte ein Eingreifen unmöglich. Hilflos

mussten die Polizisten mit ansehen, wie die «Blue Sky

M« an den Felsen zerschellte. Unter großer Gefahr für

das eigene Leben gelang es ihnen, 23 der 770 syrischen

Flüchtlinge zu retten.

Samira und ihre Kinder Yahya und Rebecca waren nicht

darunter.

Vater unser

Überwunden sagen wir nach einer großen Herausforderung.

Überwunden sagen wir, wenn es uns an Grenzen

gebracht hat,

wenn wir dabei Federn gelassen haben.

Jesus hat Sein Leben gelassen,

Er hat es bei uns gelassen.

Der Weg der Kreatur geht nur über Wunden:

Das Leben verletzt.

Auch der Weg des Herrn geht über Wunden,

an den Wunden sogar wird man Ihn erkennen.

Von Anfang an hat Er sich verwunden lassen vom

Leben der Menschen,

es hat Ihn berührt, was mit den Menschen ist.

Das Merkmal der Wunden bleibt.

Wir sind Seine Wunde, wir rühren Ihn weiter an.

 

 

 

 

 

******************************************************

Ein Glaubensbekenntnis, das persönlich ist, ist immer nur optional und für die momentane Zeit gültig. Hin und wieder sollte jeder Mensch ein eigenes Glaubensbekenntnis schreiben. Ich habe es versucht, probieren Sie es doch auch einmal!

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde...

Und hoffe auf seine starke führende Hand, seine Weisheit und Macht. Ich glaube aber auch an Gott, die Mutter, ihre Zärtlichkeit und Wärme, die Fürsorge und Begleitung und an all das, was keinem Geschlecht zuzuordnen ist, weil Gott immer ganz anders als unsere Bilder und doch von Anfang an da war und ist. Ich glaube an Gott als Ursprung, aber auch durchfließendes Sein, dass mir oft so fern scheint und doch immer in meiner Nähe ist.

 

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gestorben, begraben und hinabgestiegen in das Reich des Todes...

An Jesus als geschichtliche Gestalt und die bewegende Botschaft seines Lebens: dass die Liebe das Leben beseelt und ihrem Leiden einen Sinn gibt, der erlitten und erlebt hat, was Menschen erleiden und erleben, so dass ein jeder spürt, wie tief er verstanden ist. Und ich glaube an die Besonderheit dieses Menschen, sein von Grund auf verwobenes Sein in Gott.

 

Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an die völlig neue Wirklichkeit, das umwälzende und alles verändernde „Nein!“ zum endgültigen Tod, den Neuaufbruch des Lebens schon jetzt in unserem Tun. Ich glaube an Gerechtigkeit, die nicht in meinen Händen liegt.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Ich glaube an das jetzt und Hier und Gottes Zusage, da zu sein, an seinen Atem in meinem Alltag und in jedem neuen Anfang, ich glaube an diesen Anfang trotz und nach allem Versagen in meinem Schuldigwerden und über alle Not der Welt hinaus. Jedenfalls möchte ich das glauben - und versuche mein Leben damit.


Zurück zur Übersicht der Artikel

DOM-Radio
mehr...

Pfarrnachrichten
Pfarrnachrichten für den Pastoralverbund
mehr...

Pfarrgemeinderat - Pastoralverbund Unna und St. Marien Massen
Protokoll vom 22.2.2017

mehr...

Gemeindeausschüsse
Herz Jesu 4.5.
mehr...

Ein Kreuzweg... - Glauben
gebetet am Karfreitag 2015

mehr...

Sakramente
mehr...

LINKS
mehr...